Archiv der Kategorie: Pro NRW

Pro Köln und der Größenwahn

Das Grußwort der evangelischen Landeskirchen und der katholischen (Erz-)Bistümer in Nordrhein-Westfalen zum Ramadan 2009 distanziert sich u.a. von Pro NRW:

Mit Sorge haben wir in den vergangenen Monaten wahrgenommen, dass eine kleine rechtspopulistische Gruppierung mit dem Namen „Pro NRW“ versucht hat, politischen Einfluss zu gewinnen. Diese Gruppierung schürt gezielt Vorurteile gegen den Islam, macht pauschal die Ausländer für die sozialen Probleme in Städten und Stadtteilen verantwortlich und versucht, sowohl die Integrationspolitik wie auch das kirchliche Engagement für einen Dialog der Religionen als falsch und gefährlich darzustellen.

Die Reaktion von Pro Köln auf seiner Website macht beinahe sprachlos, man bezieht sich tatsächlich auf die Enzyklika „Mit brennender Sorge“, die Pius XI. 1937 mit Bezug auf die politische Lage in Deutschland veröffentlicht hat:

Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes …

… und man bezieht genau diese Worte auf sich selbst, denn die Kirchen befänden

… sich in akuter Bedrängnis durch den Willen der etablierten politischen Klasse, sie im Geiste einer politischen Korrektheit zu instrumentalisieren und für zweifelhafte politische Projekte wie die Aufgabe der abendländischen Werte in Alibihaftung zu nehmen …

Zum zweiten Mal in dieser Woche setzt Pro Köln damit das heutige Deutschland mit dem Deutschland der nationalsozialistischen Diktatur gleich (zur Erinnerung: die Opfer der Nazi-Militärjustiz waren für Pro Köln vielfach „schlichtweg Kriminelle, die auch in jedem anderen Land zu Kriegszeiten hart bestraft wurden“)

Der Sprachlosigkeit gegenüber dieser dreisten Penetranz lässt sich vielleicht nur ein Wort aus der zitierten Enzyklika entgegensetzen, die sich gegen Rassismus und Totalitarismus stellte und diese als Gotteslästerung geißelte:

So wie Gottes Sonne über allem leuchtet, was Menschenantlitz trägt, so kennt auch Sein Gesetz keine Vorrechte und Ausnahmen. […]

Nur oberflächliche Geister können der Irrlehre verfallen, von einem nationalen Gott, von einer nationalen Religion zu sprechen, können den Wahnversuch unternehmen, Gott, den Schöpfer aller Welt, den König und Gesetzgeber aller Völker, vor dessen Größe die Nationen klein sind wie Tropfen am Wassereimer in die Grenze eines einzelnen Volkes, in die blutmäßige Enge einer einzelnen Rasse einkerkern zu wollen.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Pro-NRW-Vorstand tritt ab – Jugendvertreter nach rechts außen

RP-online und „Blick nach rechts“ berichten, dass das Pro-NRW-Personal Auflösungserscheinungen zeigt. So hat die stellvertretende Kreisvorsitzende in Mönchengladbach, Renate Willms, ihren Rückzug erklären lassen, dazu seien laut einem Pro-NRW-Pressesprecher auch der bisherige Kreisvorsitzende, Hubert Döring, und die Kreisschatzmeisterin Elisabeth Emschermann aus Pro NRW ausgetreten. Die Gründe? RP-online schreibt:

„Frau Willms hält einen Antritt für Gladbach für die Kommunalwahl für verfrüht und für nicht sinnvoll“, begründete Arwed Gahlen diesen Schritt auf Nachfrage unserer Zeitung. Nach Ansicht von Willms setze erfolgreiche Kommunalpolitik eine sachkundige und professionelle Kernmannschaft voraus. Dies sei bei „Pro NRW“ in Gladbach nicht im erforderlichen Umfang gegeben.

Pro NRW hätte nun praktisch keinen geschäftsführenden Vorstand mehr im Kreisverband Mönchengladbach/Viersen, zur Kommunalwahl werde man nicht antreten.

Bereits gestern freuten sich rechte Blogs wie „Altermedia“ über den Übertritt des Pro-Köln/Pro-NRW-„Jugendbeauftragten Rheinland“ René Emmerich in Rechtsaußen-Szene. Ihm ist Pro Köln noch nicht rechts genug. Seine ausführliche Austrittserklärung mit reichlich peinlichen Nachtretereien veröffentlichte er auch gleich. In ihr heißt es u.a.:

Gerade nach den Geschehnissen rund um die nur als peinlich zu bezeichnenden „Antiislamisierungskongresse“ zeigte sich erneut deutlich, die Erfolg- und Hilflosigkeit, die Verlogenheit und Halbherzigkeit dieser selbsternannten „Bewegung“.

Euren Angaben zufolge sollen 1000 Teilnehmer auf dem letzten Kongreß dabei gewesen sein. Nach meiner großzügigen Schätzung komme ich auf nicht einmal 300 Teilnehmer, von denen der Großteil aus dem Ausland angereist war. Nach „Bürgern“ suchte man auf dem gesamten „Kongreß“ ebenso vergeblich wie nach der Äußerung von vernünftigen politischen Ansätzen im Interesse des Volkes. Von Volk und Heimat ist überhaupt keine Rede mehr,[…]

HIer geht es um den Flieger auf dem Kongress mit dem Transparent „Ming Fründ ist Ausländer“:

Um nur ein nicht in den Medien ausgeschlachtetes Beispiel Eurer verlogenen Arbeitsmethoden herauszugreifen,[…]

Und hier um die Verschwörungstheorien rund um die „linken Provozierer“ mit dem „Galgen-T-Shirt“:

Geradezu widerlich ist auch die immer massiver werdende Anbiederung an Zeitgeist und System.

Zu der Öffentlichkeitsarbeit mit „sensationellen“ Erfolgen heißt es:

Dabei erreicht selbst eine kleine Demo von Nationalisten ähnliche Schlagzeilen wie Eure Aktionen und diese kommen glaubwürdiger und authentischer rüber als Ihr mit Euren Lügen und Täuschungsversuchen.

Und zu den Versuchen, sich mit Israelflaggen und dem Afrikaner Josef Intsiful im Vorstand von Rassismusvorwürfen zu befreien:

Auch Euer Versuch mit einem Schwarzafrikaner im Vorstand und zur Schau getragener Israel-Freundschaft „besser“ da zu stehen ist nur lächerlich, abstoßend und entspricht nicht ansatzweise den intern von Euch geäußerten Ansichten.

Da weiß man wirklich nicht, ob man lachen oder weinen soll. Vermutlich nimmt Pro Köln den Vorwurf der „CDUisierung“ und den Austritt des enttäuschten Rechtsauslegers, der jetzt zu den freien Kameradaschaften wechselt, noch als Beleg dafür, wie bieder-spießig-harmlos man doch eigentlich ist. Und vermutlich stimmt zumindest das bieder-spießig daran…

Ergänzung: der politblogger bringt es mal wieder genauer auf den Punkt:

Wohlgemerkt: Emmerich verlässt Pro Köln nicht etwa deshalb, weil ihm Beisicht, Rouhs und Konsorten nicht rechtsradikal genug sind, sondern weil die Herren zu feige sind, sich öffentlich zu ihrer Gesinnung bekennen. Insofern ist Emmerichs erklärte Absicht, künftig die braunen Kameraden von den Freien Kräften Köln zu unterstützen, natürlich nur konsequent – wobei er das eigentlich schon immer war.

Ermittlungen wegen Verdachts der Wählertäuschung durch Pro NRW

Einige Medien berichten davon, dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen „einen ProNRW-Politiker“ Ermittlungen wegen Wählertäuschung aufgenommen hat.

Wie ein Polizeisprecher in Düsseldorf der Zeitung sagte, hatte eine Bürgerin aus Meerbusch Anzeige gegen den Mann erstattet, der dem Landesvorstand von Pro NRW angehört. Nach Angaben der Frau hatte er sich ihr als städtischer Mitarbeiter vorgestellt und auf diesem Wege versucht, ihre schriftliche Unterstützung für seine Kandidatur bei der Kommunalwahl zu erschleichen. Doch die Frau reagierte misstrauisch und ließ sich auch durch das vorgezeigte Formblatt samt Stadtsiegel, das sie sofort unterschreiben sollte, nicht blenden. Erst auf ihre Nachfrage, so gab sie bei der Polizei zu Protokoll, habe der Mann seine wahre Identität offengelegt. Im Internet fand sie außerdem heraus, dass er dem Landesvorstand von „Pro NRW” angehört. Auch der Staatsschutz wurde inzwischen eingeschaltet. (Quelle: Anzeige: Pro NRW soll Wähler getäuscht haben)

Weitere Berichte:

Kommentar Pro NRW: „böswillige Verleumdungen seitens des politischen und medialen Establishments“